Neuer Fachbeitrag von Sandra Thaler
in unserhof 01/2026 (Auszug)
„Während die Technik mit Lichtgeschwindigkeit voranschreitet, bewegen sich zwischenmenschliche Prozesse oft im Schneckentempo. Als Mediatorin mit 22 Jahren Erfahrung sehe ich heute eine neue Herausforderung: Wir müssen lernen, die Effizienz der KI zu nutzen, ohne unsere emotionale Intelligenz zu verlieren. Es ist aus menschlicher Sicht enorm wichtig, die Dinge richtig einzuordnen.
Doch bei aller Begeisterung gibt es einen Bereich, in dem jede KI versagt: Die echte, menschliche Verbindung. Kürzlich übernahm ich einen Fall, der mich tief bewegte. Ein Betrieb, der vor gut zehn Jahren übergeben wurde. Was auf dem Papier geregelt war, wurde menschlich gesehen zum Trümmerboden. Zwischen den Generationen herrscht seit Jahren Funkstille.
Hier wird die Grenze der KI schmerzhaft deutlich. Eine KI kann mittlerweile einen Übergabevertrag ausformulieren, sie kann die Wirtschaftlichkeit des Betriebs berechnen und einen Marketingplan für die nächsten zehn Jahre erstellen. Aber sie kann nicht verzeihen. Sie kann keinen Blickkontakt ersetzen, der sagt: „Es tut mir leid, wie es gelaufen ist.“
Das „E“ in der Intelligenz: Warum Emotionale Intelligenz 2026 wichtiger ist denn je
Ein erfolgreicher Generationswechsel braucht zwei Arten von Intelligenz:
- Die Künstliche Intelligenz (KI): Um den Betrieb zukunftsfähig und effizient zu halten.
- Die Emotionale Intelligenz (EQ): Um die Identität des Unternehmens und den Familienfrieden zu bewahren.
KI kann uns helfen, sachliche Konflikte zu lösen. Sie kann uns sogar Tipps geben, wie man ein schwieriges Gespräch führt (z.B. mit dem Prompt: „Ich möchte meinem Vater sagen, dass ich den Anbau anders planen will, ohne ihn zu verletzen. Wie formuliere ich das wertschätzend?“). Aber das Gespräch führen, die Schwingungen im Raum spüren, die Tränen der Vorgängergeneration aushalten: das bleibt unsere zutiefst menschliche Aufgabe.
Drei Tipps für den Alltag auf dem Familienbetrieb
Wie nutzen wir also die neuen Möglichkeiten, ohne Hausverstand und Herzgefühl zu verlieren?
- KI zur Entlastung nutzen, um Zeit für Gespräche zu gewinnen: Nutzen Sie die Zeit, die Ihnen die KI bei der Büroarbeit spart, nicht für noch mehr Arbeit, sondern für ein gemeinsames Kaffeetrinken.
- Transparenz beim Generationswechsel: Wenn die junge Generation neue Tools einführt, sollte sie die Senioren mitnehmen. Erklären Sie, was die KI tut. Das baut Ängste ab und schafft Teilhabe.
- Die „Check-In“ Regel: Nutzen Sie KI für die harten Fakten (Zahlen, Daten, Fakten), aber vereinbaren Sie feste Zeiten für „analoge“ Gespräche über Gefühle und Visionen.
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