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Veränderung: das Dilemma mit dem Mindset

Liebe Leserin, lieber Leser.

Strategische Neuausrichtung, digitale Transformation, Ausrichtung der Aufbauorganisation nach den Kundenbedürfnissen – das sind Veränderungsinitiativen, die vielfach Top-Down entschieden werden.

Warum Dilemma?
Die Erwartungshaltung des Managements an die Mitarbeiter ist, dass der neue Weg mitgetragen und auch mitgestaltet wird. Das entsprechende Mindset dafür wird eingefordert, vorausgesetzt oder versucht, durch Schulungen zu vermitteln – meist vergeblich.

Was ist ein Mindset?
Als Mindset bezeichnen wir die Überzeugungen, die Denkweisen bzw. die innere Haltung eines Menschen. Diese Eigenschaften werden sehr stark von den Erfahrungen geprägt – von positiven, wie auch von negativen Erfahrungen. Von Erfahrungen aus der Vergangenheit, aber auch von Erfahrungen, die im hier und jetzt im aktuellen Umfeld gemacht werden.

2 Arten von Mindset
Die Psychologin Carol Dweck, Professorin an der Stanford University und Autorin des Buches “Mindset”, unterscheidet zwischen zwei Arten von Mindset: dem Fixed Mindset und dem Groth Mindset. Personen mit einem Fixed oder statischem Mindset gehen davon aus, dass ihre Fähigkeiten festgeschrieben und somit nicht veränderlich sind. Ein mögliches Scheitern wird dieser Logik zugeschrieben, was sich letztendlich immer wieder bestätigt.  Menschen mit einem Groth oder dynamischen Mindset sehen für sich ständige Möglichkeiten zur Weiterentwicklung, zur Veränderung und zum Wachstum. Das Scheitern wird im Vorhinein als Möglichkeit akzeptiert und als Teil des Lernprozesses positiv konnotiert. Dweck spricht allerdings nicht von einer unveränderlichen Festlegung, ob das Mindset statisch oder dynamisch ist. Je nach Lebensbereich, Umfeld oder der jeweilig eingenommenen Rolle, überwiegt die Vorfreude oder die Angst vor Veränderung.

Meine Erfahrungen als Wirtschaftsmediatorin
Meiner Erfahrung nach ist nicht jedes System bereit, ein Growth Mindset zuzulassen. Offen zu sein für neue Projekte, die zunächst nur Experimente sind, ohne Garantie, auch erfolgreich zu sein. Offen für neue Formen der Zusammenarbeit und vieles mehr.

Daher ist auf die Frage, wie fördern wir ein gesundes, starkes Mindset in unseren Teams, zuerst einmal die Gegenfrage zu stellen: Haben wir genug Raum und Möglichkeiten geschaffen? Vertrauen wir den Menschen, die mit uns und für uns arbeiten und vertrauen sie uns? Nützen wir die Potenziale, die dafür zur Verfügung stehen können, wirklich?

Wir leben in der sogenannten VUCA-Welt (volatil, unsicher, komplex, ambivalent). Zwischen Ursache und Wirkung lässt sich oft kein Zusammenhang mehr herstellen. Langfristige Detailplanungen haben keinen Anspruch mehr auf realistische Zielerreichung. Zu alledem hat Covid-19 zusätzlich zur Komplexität des Marktes nun auch die Möglichkeiten der sozialen Interaktionen und Zusammenarbeit grundlegend verändert.

Wie können wir uns nun in einer scheinbar chaotischen Welt zurechtfinden, wie können wir handlungs- und entscheidungsfähig bleiben? Welche konstruktiven Bewältigungsstrategien gibt es, um nicht in der Ignoranz oder Arroganz, im Zynismus, in der Aggression oder im Burn-out zu landen? Wie können wir den Mitarbeitern helfen, ihr Growth Mindset zu entwickeln?

In Projekten setzen wir auf Teamgeist, konstruktive Bewältigungsstrategien, Feedbackkultur und Vorbildwirkung
Sandra Thaler
Wirtschaftsmediatorin & Consultant und Juristin
  • Vorbildwirkung: Eine Führungskraft mit Growth Mindset lernt auch von ihren Mitarbeitern. Sie gesteht sich selbst ein, nicht alles wissen zu können und auch Fehler zu machen und auch machen zu dürfen. Eine Unternehmenskultur, deren höchste Priorität das lebenslange Lernen ist, bringt das Beste aus ihren Mitarbeitern hervor und zieht die besten Mitarbeiter an.
  • Fehlerkultur: Fehler sind ein essenzieller Teil der Lernkurve, um aus Experimenten heraus innovative neue Lösungen entstehen zu lassen. Nach wie vor ist es verbreitet, dass auf einen Fehler die reflexartige Suche nach dem Schuldigen folgt. Die Angst vor Konsequenzen hemmt die Motivation, Neues auszuprobieren, es herrscht Stagnation. Wir müssen nicht die Fehler feiern, die gewonnene Erkenntnis sehr wohl.
  • Feedbackkultur: Feedback geben und auch nehmen zu können ist eine Kernkompetenz von Menschen mit Growth Mindset. Konstruktives Feedback, ungeachtet ob es sich um Kritik oder um Lob handelt, zeigt einen Weg auf, wie sich jemand weiterentwickeln oder verbessern kann.

Fazit: Veränderung bedeutet in der Regel, etwas zu tun, das wir noch nicht getan haben. Nicht die Angst vor der Ungewissheit soll dabei der Begleiter sein, sondern die Neugierde und die feste Überzeugung, voranzukommen.

Der Beitrag ist Teil unserer Themenwochen im April: Veränderung und Veränderungsprozesse mit vier Schwerpunkt-Postings auf unseren Social Media Kanälen, einem Live-Talk am 22.4.2021, Uhrzeit: 17.00 – 17.30 Uhr
und dem Webinar „Veränderungen erfolgreich gestalten“ am 29.4.2021, 18.00-19.00 Uhr (weitere Termine ab Herbst 2021)
Info und Anmeldung: 
 https://sandrathaler.com/veraenderungen-erfolgreich-gestalten/

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Allgemein Arbeitswelt Konfliktmangement Unternehmenskultur

Konfliktprävention im Homeoffice

Werner Unterfurtner und ich sind seit 2008 als eingespieltes Mediatoren-Team für Unternehmen im Einsatz. Wir haben Methoden weiterentwickelt und können uns blind aufeinander verlassen, wenn wir herausfordernde Prozesse gemeinsam hin zu tragfähigen Lösungen leiten.
In diesem Blog teilen wir Ideen & Tipps, wie Homeoffice aus und Zusammenarbeit noch besser gelingen können.
Schreibt uns gerne!

"Die Unternehmensleitung muss klar kommunizieren, dass Homeoffice denselben Stellenwert hat wie das Arbeiten vor Ort"
Werner Unterfurtner, MSc
HR-Manager & Wirtschaftsmediator

Frage 1: Wie verändert die Corona-Pandemie die Gesellschaft und Wirtschaft?

Werner Unterfurtner: „Das Leben, das wir bisher kannten oder wie wir es bisher gewohnt waren, wird von heuer an ein anderes sein und uns in den kommenden Jahren noch deutlich beeinflussen.

Unternehmen, denen die Sicherheit und der Schutz ihrer Mitarbeiter*innen am Herzen liegt und die bereits zu Beginn der Pandemie in Schutzmaßnahmen investiert haben und vor allem klare firmeninterne Regelungen erstellt haben, steigern die Mitarbeiterzufriedenheit und werden als Arbeitgeber am hart umkämpften Arbeitsmarkt bekannter und (noch) attraktiver“.

Homeoffice Tipp # 1 Meetings und Pausen planen, im Kalender eintragen und einhalten! Pausen und das Einhalten von Zeitlimits signalisieren Respekt
Sandra Thaler
Wirtschaftsmediatorin & Business Coach

 

Frage 2: Ist Homeoffice gut oder schlecht? Wie wirkt es sich auf den internen Zusammenhalt in Unternehmen aus?

Werner Unterfurtner: „Diese Frage ist nicht ganz so einfach zu beantworten, denn dafür braucht es zwischen den Arbeitgebern und den Arbeitnehmer*innen ganz klare Rahmenbedingungen. Die Mitarbeiter*innen sparen sich zum Teil lange Arbeitswege, vermeiden Stress, Staus und Verspätungen von öffentlichen Verkehrsmitteln.

Der Arbeitsbeginn im Homeoffice beginnt damit schon deutlich entspannter als wenn man als Arbeitnehmer*in gehetzt und vielleicht erst knapp vor Arbeitsbeginn am Arbeitsplatz ankommt. Durch den Wegfall der Wegzeiten bleibt für alle Arbeitnehmer*innen in Homeoffice am Ende deutlich mehr Freizeit und sie ersparen sich auch zusätzlich noch die Fahrtkosten (Treibstoff, Tickets).

Homeoffice ist meiner Ansicht nach langfristig aber nur dann sinnvoll, wenn auch im eigenen Zuhause ein ruhiges Arbeitsumfeld gegeben ist. Dies setzt einen eigenen und von Störungen abgeschlossenen Raum voraus, denn ein Arbeiten am Esstisch ist zwar kurzfristig und im Notfall möglich, für ein längerfristiges Arbeiten sollte aber auch zu Hause der Arbeitsplatz ergonomisch richtig gestaltet sein. Konzentriertes Arbeiten wird durch das Homeoffice in vielen Fällen sogar einfacher, da gerade in Großraumbüros der Lärmpegel und das Raumklima nicht immer optimal sind.

Nicht alle Arbeitnehmer*innen schaffen es, die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit einzuhalten und können deshalb auch im Home-Office nicht so einfach abschalten. Speziell aus arbeitspsychologischer Sicht ist dies daher zu thematisieren und die Mitarbeiter*innen dazu mit Tipps zu unterstützen.

Damit aber der Teamgeist und die Zugehörigkeit zum Team nicht verloren gehen, ist auch meiner Sicht ein Hybrid-Modell (z.B. 2-3 Tage Homeoffice, 2-3 Tage ein Arbeiten am gewohnten Arbeitsplatz im Unternehmen) zu wählen. Dadurch bleiben die Mitarbeiter*innen in Homeoffice mit den Kolleg*innen vor Ort in direktem persönlichen Kontakt und die sozialen Kontakte zu anderen Mitarbeiter*innen bleiben bestehen“.

                               Bild: Werner Unterfurtner, MSc 

Homeoffice Tipp #2: Rituale geben Rahmen "Wieviel im Büroalltag abseits der eigentlichen Arbeit an Rahmen vorhanden ist, wird jetzt deutlich. 😮 Das gemeinsame Mittagessen in der Kantine oder das zufällige Treffen am Gang, wo diverse Neuigkeiten ausgetauscht werden: all diese sozialen Aspekte tragen wesentlich zum Zusammenhalt und einer positiven Grundstimmung bei. ✨ Was tun, wenn diese Rahmenbedingungen wegfallen? Am besten ahmt man diese Situationen innerhalb der Möglichkeiten nach. Das bedeutet, dass es gemeinsame, im Kalender geplante, virtuelle Kaffeepausen gibt. Allerdings gilt es dabei Gesprächsdisziplin zu halten, da parallelen Gesprächen innerhalb einer Konferenz nicht gefolgt werden kann. Das zufällige Treffen am Gang, kann durch ein kurzes Telefonat abgebildet werden. Es reicht dabei vollkommen aus, sich einfach um das Befinden seines Gesprächspartners zu erkundigen"
Sandra Thaler
Wirtschaftsmediatorin & Business Coach

 

Frage 3: Gibt es emotionale Nachteile durch online Kommunikation und die Zunahme durch Konflikte dadurch? Wenn ja, wodurch zeigt sich das?

 

Werner Unterfurtner: „Nachdem es in vielen Unternehmen bisher noch nicht üblich war Mitarbeiter*innen Homeoffice „zu erlauben“, muss klar von der Unternehmensleitung kommuniziert werden, dass Homeoffice denselben Stellenwert hat wie das Arbeiten vor Ort. Zur Vermeidung von Konflikten kann – wie schon im vorigen Punkt angemerkt – ein Hybrid-Modell und auch eine langfristige Planung von gemeinsamen (Online-)Besprechungszeiten helfen und dafür sorgen, dass die Kommunikation untereinander optimal funktioniert und die Verbundenheit zum Unternehmen und den Mitarbeiter*innen vor Ort weiterhin gegeben ist.  Wichtig ist es auch klare Regelungen zur Erfassung der Arbeitszeiten, zu zeitlichen Obergrenzen, zur Pausenregelung, zu Arztbesuchen und zur telefonischen Erreichbarkeit zu erstellen, damit die Zusammenarbeit zwischen Kolleg*innen die zu Hause arbeiten und jene, die (weiterhin) im Büro sitzen auch klappen kann und man damit unnötige Konflikte vermeidet. Durch eine „ehrliche“ und transparente Arbeitszeit- und Pausenaufzeichnung der Mitarbeiter*innen im Homeoffice wird auch den Kolleg*innen vor Ort vermittelt, dass Homeoffice keine bezahlte Freizeit ist, sondern dass sehr wohl die Arbeitsaufgaben im Homeoffice – nur halt mit flexiblerer Zeiteinteilung – erledigt werden.“

Homeoffice Tipp #3 Kommunikation & Konfliktmanagement im Fokus ⚡️ "Eine entscheidende Einschränkung betrifft die fehlende nonverbale Kommunikation. 😶Introvertierte Mitarbeiter neigen dazu, sich in der virtuellen Kommunikation noch weniger einzubringen. Im physischen Aufeinandertreffen erkennt man relativ rasch, ob sein Gegenüber einer Aussage zustimmt oder nicht und kann durch aktives Nachfragen die Meinung einholen. Um diese mitunter wertvollen Einwände nicht zu verlieren, brauchen wir aktives Feedback oder Einverständnis zu einzelnen Aussagen. 💬 Informieren Sie andere ehrlich, rechtzeitig und mit klaren Worten. Kommt es zu Vorwürfen, gehen Sie nicht auf Tauchstation oder in eine Schuldposition, sondern bleiben Sie auf Augenhöhe und zeigen Sie Interesse für die negativen Folgen und Konsequenzen, die jemand gerade erlebt oder zu erleben glaubt. Hören Sie auch bei Negativem zu, ohne vorschnell zu bewerten".
SandraThaler
Wirtschaftsmediatorin & Business Coach

Mehr zum Mediatorenteam Werner Unterfurtner, MSc und Mag. Sandra Thaler – wir freuen uns über Ihre Kontaktaufnahme
Information und Kontakt

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Arbeitswelt Konfliktmangement Online-Mediation

Online Mediation – Ausweg in der Krise

Mit zunehmender Dynamik steigen Verteilungskonflikte und wirtschaftlichen Krisensituationen. Die Nachfrage nach Mediation ist stark angestiegen. Im Kollegenkreis tauschen wir, Martin Golder, Gudrun Turek-Lima, Sarah Blake, Karl Pramhofer und Sandra Thaler, uns national und international über die Coronakrise, die Online-Mediation, Homeoffice und Vor- und Nachteile durch die digitale Kommunikation aus. 

Corona hat uns ausgebremst, jetzt ist Handeln angesagt

"Durch Online-Mediation können wir Menschen zusammenbringen, die geografisch getrennt sind"
Martin Golder
Mediator, Kanada

Über die  Krise sagt Martin Golder: „Die Covid-Pandemie hat viele Facetten. Sie hat uns ausgebremst. Wir waren und sind ein Schnellzug, der auf eine Mauer zusteuert. Die Menschen sind verunsichert, teilweise schockiert und wir sind dabei, unsere Zukunft zu gestalten. Durch die Online-Mediation können wir Menschen zusammenbringen, die geografisch getrennt sind“.

"Die Online-Mediation hat durch die Digitalisierung hat einen enormen Schub bekommen"
Gudrun Turek-Lima
Mediatorin & Konfliktcoach, Graz

Ich spreche mit Wirtschaftsmediatorin Gudrun Turek-Lima darüber, wie Corona die Gesellschaft und Wirtschaft verändern wird: „Zum jetzigen Zeitpunkt finde ich eine Antwort darauf schwierig“, sagt sie. Von Isolation und „Wir sind Wir“ -Denken, Erstarken des Nationalismus, weniger internationale Zusammenarbeit bis hin zu positiveren Entwicklungen wie verstärkte Bedeutung regionaler Strukturen, Nachhaltigkeit, soziales Wirtschaften und flexiblerer Umgang mit Veränderungen, ist alles möglich.

"Die harten Gespräche sind wirklich wichtig. Dadurch entsteht etwas Neues"
Sarah Blake
Conflict Strategist, Mediator, Austrialien

Sarah Blake sagt: „Es geht darum, den Menschen zu helfen, Vertrauen in den Veränderungsprozess zu haben, damit sie sich mutig in die Verwirrungen hineinlehnen. Wir zeichnen uns als Mediatoren gerade durch unsere speziellen Konfliktlösungskompetenzen aus und verstehen, dass diese Zeiten nicht normal sind, aber dass sie Gelegenheit für Innovation und Veränderung bieten. Wir können unseren Klienten helfen, die richtigen Fragen zu finden, sich auf die Zukunft zu konzentrieren und nicht die Vergangenheit zu beschuldigen.“ Und Sarah führt weiter aus: 

„Beide Formate – online wie face-to-face – können aufregende und kreative Lösungen erzeugen. Was mehr zählt, ist die Fähigkeit des Moderators, das richtige Umfeld und die richtige Struktur zu schaffen. Es gibt so viele innovative Tools, die zur Förderung der digitalen Kreativität beitragen. Wenn der Moderator diese jedoch nicht verwendet und die Menschen nicht in die Diskussion einbezieht, werden die kreativen Ergebnisse viel schwieriger. Vertrauen ist fragiler und es besteht ein starkes Risiko, dass Parteien nicht zu den erwünschten Vereinbarungen gelangen. „

Homeoffice & digitale Meetings

"Homeoffice reduziert die Kommunikation auf das Wesentliche. Daher fördern wir die Zusammenarbeit auf allen Ebenen"
Wirtschaftsmediator
Sandra Thaler
Wirtschaftsmediatorin, Business Coach, Linz

„Zu beobachten ist, dass sich Homeoffice und digitale Meetings unterschiedlich auf unsere Klienten auswirken.  Für viele  ist es ein Glücksfall, weil sie sich Reisezeiten, den Weg zur Arbeit ersparen und gerne in der eigenen Umgebung sind. Andere fühlen sich einsam und vermissen die Kollegen. Für einige ist das Arbeitsumfeld ihr soziales Leben. Homeoffice lässt da Konflikte entstehen, wo es keine klaren Vereinbarungen darüber gibt. Daher sind offene und klare Kommunikation und Transparenz das A und O für reibungsfreie Abläufe puncto Homeoffice. Wir fördern die Zusammenarbeit auf allen Ebenen, online und face-to-face.“

Eine weitere Frage, die uns alle beschäftigt: Was sind die Nachteile des fehlenden persönlichen Kontakts?

Martin Golder: „Wir sind soziale Wesen. Persönlicher Kontakt, auch körperlicher Kontakt, ist sehr wichtig für unser Wohlbefinden. Der Blick in die Augen. Der Händedruck, die Beobachtung der Körpersprache. Sicherlich kann der funktionale Teil ohne persönliche Treffen erreicht werden.

Für Gudrun Turek-Lima ist klar: „Im persönlichen Kontakt kann ich den anderen in seiner Gesamtheit wahrnehmen. Während man bei E-Mails den anderen nicht sieht, “ Die Erfahrung, dass sich Menschen durch Online-Kommunikation und eine damit verbundene physische Distanz isolierter fühlen, hat sie nicht gemacht.

„Vielen Klienten fällt es durch die Distanz sogar leichter, heikle Dinge anzusprechen“, sind wir uns alle einig.

Die Hemmschwelle ist kleiner geworden
Während des Lockdowns haben wir bei sandrathaler.com im März datenschutzkonforme Plattformen installiert und unsere Klienten in laufenden Change- und Mediationsprozessen nahtlos digital weitergeführt. Gerade in Nachfolgeprozessen können wir uns keinen Stillstand leisten. Das neue BuchWebinare und Onlinekurse sind während dieser Zeit auch entstanden. Digitale Meetings können genauso kreativ ablaufen!

Martin Golder fügt hinzu: „Kreativität hängt nicht unbedingt mit digital v personal zusammen. Selbst routinemäßig erscheinende Mediationen können sich plötzlich in eine neue Richtung entwickeln. Die Grundsätze sind persönlich und online dieselben: Zuhören, freundlich bleiben, Interesse zeigen“.

Online Mediation

Sandra Thaler

„Termine sind online buchbar. In der Praxis bewährt sich die Online-Mediation da, wo es um Sachfragen und Informationsaustausch geht. Die Nachfrage ist besonders bei Team- und Führungsfragen gestiegen.  So können wir binnen relativ kurzer Zeit Missverständnisse und Fehler in der Kommunikation beheben.“ Beispiele dazu finden Sie auf sandrathaler.com.

"Für intensive Vergleichsverhandlungen braucht es Mimik, Gestik und Körpersprache"
Dr. Karl Pramhofer
Richter am Handelsgericht Wien, Mediator

Online-Meetings nimmt HR Dr. Karl Pramhofer, Mediator und Richter am Handelsgericht Wien, sehr differenziert wahr. „Für die Gerichte ergeben sich enorme Herausforderungen und Verfahrensverzögerungen. Virtuelle Verhandlungen zum Beispiel via Zoom passen für den Austausch von Sachargumenten. Für intensive Vergleichsgespräche braucht es aber Mimik, Gesten und Körpersprache, weil es da primär um die Bedürfnisse der Medianden geht. Die Vorteile der Mediation liegen auf der Hand, weil sie allgemein zeitnahe Lösungen bringen.“

Sarah Blake: „Ich persönlich bevorzuge eine Kombination: viele Vorbereitungsarbeiten sind für das digitale Format sehr gut geeignet, aber das Zusammenbringen von Menschen in einem Raum bringt eine Energie mit sich, die in den dunkelsten Konflikten das unerwartete Licht sein kann, das zur Lösung führt“.

Online Mediation – Information und Buchung

Eventtipp **** 24.11.2020
Online Symposium Wirtschaftsmediation
www.symposium-mediation.at

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Arbeitswelt Konfliktmangement Krisenmanagement Unternehmensnachfolge

Erfolgsfaktor Kommunikation in der Krise

Liebe Leserin, lieber Leser!

Die Wirtschaftsmediation und mediative Tools stellen den professionellen Umgang mit Krisen- und Konfliktsituationen sicher. Im Beitrag sind Auszüge aus aktuellen Keynote und Webinarprogrammen  und Impulse für ein kooperativeres Handeln & Kommunizieren. Viel Freude beim Lesen!
Herzlich Sandra Thaler

Was macht die Krise mit den Menschen?

Die Rahmenbedingungen verändern sich ständig. Wir können nicht – und schon gar nicht über einen längeren Zeitraum hinweg – fix wissen, wie es kommen wird.
Das sieht zum Beispiel für ein Logistikunternehmen so aus, wie ein Kunde beschreibt: „Logistikpläne lassen sich normalerweise gut erstellen, auch in die Zukunft, mit Abweichungen, eine gewisse Sicherheit ist da.
Doch was jetzt passiert, macht die Situation sehr komplex: Grenzen werden über Nacht geschlossen, in unterschliedlichen Ländern herrschen unterschiedliche Regelungen, Verordnungen und Gesetze, in einer Geschwindigkeit, die sich im Wochenrythmus ändern können. D.h. ich kann nicht im Herbst für das nächste oder übernächste Jahr planen, sondern für die nächsten 2-4 Wochen, kurzfristig kann sich vieles ändern“.

In nahezu allen Branchen scheinen Sicherheiten zu verschwinden. Veränderung macht Angst. Und Angst wiederum lässt Spannung entstehen und das führt dazu, dass Konflikte und Interessenskollisionen vermehrt auftreten. „Gesundheit versus Geschäft“. Vieles gelingt dennoch und die Menschen haben sich mittlerweile an die Auflagen und Einschränkungen gewöhnt.

„Dennoch ist Angst spürbar, der Ton schärfer, die Maßnahmen drastischer, die Menschen distanzierter.

Was können wir daher tun, um uns gut in der stürmischen Zeit aufzustellen?

📌 Der erste Schritt ist, der Angst offensiv zu begegnen.
Zum Beispiel dadurch, dass wir den Umgang mit komplexen und nicht planbaren Situationen noch besser lernen. Komplexität entsteht nicht erst durch die Covid19-Krise: Sie wird befeuert durch die Digitalisierung, das Internet, schnelllebige Informationen zu Konsumenten, Die Reaktionszeit wird immer kürzer auf die Interaktionen.

Bedenke: Kunden erleben eine enorme Angebotsvielfalt und eine hohe Dynamik am Markt. Aus dem heraus entsteht wiederum Komplexität für jedes Unternehmen. Daher müssen Unternehmen schneller auf Veränderungen re/agieren. Das wiederum beinhaltet, mehr und differenzierter zu kommunizieren.

 ℹ️  Hierarchische und bürokratische Wege spielen eine wesentliche Rolle, wie schnell Kommunikation erfolgt!

Umso wichtiger wird das Zusammenspiel der Kräfte innerhalb der Organisationen und innerhalb von Netzwerken. Mehr denn je kommt es jetzt auf Kooperation und gelebte Win-Win-Strategien an. Kompetenzen und Skills sind trainierbar.

📌 Resilienz stärken
Resilienz bedeutet Widerstandsfähigkeit. Es ist die Fähigkeit, Rückschläge zu verkraften.
Es kommt dabei auf innere Schutzfaktoren wie zum Beispiel innere Haltungen, Überzeugungen, Verhaltensstrategien und positive Erfahrungen der eigenen Selbstwirksamkeit an. Zu den äußeren Schutzfaktoren zählen Freundschaften, Beziehungen und eine Resilienz fördernde Umgebung und wertschätzende Unternehmenskultur.

Zu Resilienzfaktoren zählen

  • Akzeptanz der Situation
  • Optimismus
  • Lösungsorientierung
  • Verantwortung übernehmen können
  • Beziehungen und Netzwerke
  • Zukunftsorientierung
  • Sich selbst motivieren können, mit sich selbst gut umgehen können

Resilienz ist ein Muskel. Resiliente Menschen sind kritikfähiger und daher konfliktfähiger. Er braucht Training. „Es ist diese tägliche Kommunikation,

die Resilienz entstehen und wachsen lässt. Die Qualität unserer Kommunikation

von Minute zu Minute, von Stunde zu Stunde, von Tag zu Tag und über alle Arten von Situationen hinweg“. Siehe Brooks/Goldstein, 2009: S. 64

🗝 Selbstreflexion ist ein Schlüssel zur Resilienz. Zu verstehen, was eigentlich im Alltag passiert, welche Dynamiken ablaufen, wie sich die anderen verhalten, welche Rolle ich dabei einnehme und wie ich meine Macht beanspruche etc.
Beobachten Sie dazu einmal Ihre Selbstgespräche.

🖊 Übung: Stell dir vor, dein Handy zeichnet einen ganzen Tag lang deine Gedanken auf und am Abend hörst du, was du tagsüber gedacht hast – wie du mit dir selbst sprichst. Positiv, negativ, ausgeglichen?

Ein negatives Selbstgespräch enthält normalerweise einen dieser Gedanken:

  1. Verallgemeinerung: ich bin schon zweimal enttäuscht worden – die Leute werden mich immer wieder enttäuschen.
  2. Vorschnelle Schlussfolgerungen: „er/sie ruft nicht zurück, ich glaube, er/sie mag mich nicht“
  3. Selbstbeschuldigung: „das hätte ich anders machen sollen, ich bin ein schlechter…“

Dieses Denken demotiviert und drückt nach unten. In der Kommunikation drückt es in eine Opferrolle oder aufgrund der Wut in eine angreifende Rolle.

ℹ️ Positive Selbstgespräche zeichnen sich dadurch aus, dass sie negative Denkmuster durchbrechen. Es geht nicht darum, sich selbst davon u überzeugen, dass das Leben großartig ist, sondern sich von einem Kreislauf negativen Denkens zu befreien.

Statt zu sagen: „Das schaffen wir nie“, frag stattdessen 
💡 „Was kann ich tun, um es zu schaffen?“ Das schwingt auch für die anderen positiv mit, entspannt, schafft Vertrauen und motiviert.

Selbstgespräche erfüllen zwei verschiedene Funktionen:
Sich fokussieren und zu motivieren.

🖊 Weitere Übungen und Beispiele finden Sie in der Webinarreihe „Kommunikation in der Arbeitswelt 4.0“.

Was kann jeder Einzelne für die eigene Resilienz tun?
Sehr viel. Die eigenen Leistungsgrenzen akzeptieren, realistische Zielvorgaben setzen, optimistisch bleiben, dass diese Krise auch wieder vorbei geht. Probleme als solche erkennen und zugleich lösungsorientiert handeln.
Fehler zulassen, denn sie gehören zum Lernprozess dazu. Nicht auf den „St.-Nimmerleinstag“ warten, Hilfe und Unterstützung in Anspruch nehmen, sich weiterbilden, aktiv die Zukunft gestalten  und gut für sich selbst sorgen, inklusive gut gewählten Auszeiten.

Was können Unternehmen & Arbeitgeber tun?
Mit realistische Ziel- und Leistungsvorgaben arbeiten, einen wertschätzenden und freundlichen Umgangston kultivieren.

Den Menschen Raum für eigene Ideen und Kreativität geben, eine konstruktive Fehler-und Lernkultur pflegen, ausreichend für Pausen und Regenerations-Phasen sorgen, uvam.

Was können Sie in Konfliktsituationen tun?

Die Opferrolle/Retterrolle/Angreiferrolle verlassen Regisseur/in sein und gestalten, Verantwortung übernehmen, Entscheidungen treffen , den notwendigen Preis dafür zahlen und wieder ins Handeln kommen

📌KOOPERATIVER WERDEN
Kooperation ist kein Selbstläufer und braucht Struktur.
Mit dem Harvard-Konzept verhandeln wir kooperativer. Es ist eine Gesprächsmethode, um sachbezogen zu verhandeln und dabei die Qualität der Beziehungsebene zu behalten oder zu verbessern.
Sie führt über den Kompromiss hinweg zur sogenannten „Win-Win-Lösung“, was bedeutet, dass alle Beteiligten im Ergebnis einen Vorteil sehen und auch tatsächlich haben.

 Als Wirtschaftsmediatorin erlebe ich es vielfach, dass unterschiedliche Positionen in einer Verhandlungssituation dann in ein zufriedenstellendes Ergebnis münden können, wenn die Verhandler nicht in ihren starren Positionen verharren. Sobald sie sich auf das Interesse konzentrieren und davon ausgehen, dass mehrere Lösungsmöglichkeiten existieren, die es zu finden gilt, kommt es zum sog. Shift in Verhandlungen.

ℹ️ Wenn wir uns diplomatisch verhalten, dh innerlich auf Distanz zum Geschehen gehen und Kooperationsbereitschaft, signalisieren können, im Sinne von „Ich weiß, was ich will, kenne meine Ziele und bleibe dabei freundlich, verständnisvoll und am anderen interessiert“, lassen sich Blockaden und Hindernisse weitgehend vermeiden und neue Chancen tun sich auf.

Das lässt sich an einem Beispiel erklären:

A ist für Projekt X. B ist für Projekt Y. In der Verhandlung um die unterschiedlichen Positionenen gibt es anfangs nur ein „Entweder-Oder“.
Nach dem Harvard-Konzept stellen wir die Frage ganz anders: „Warum/Wozu setzt sich A für das Projekt X. ein?“ „Was will A mit Projekt X. erreichen?“ und genauso die Frage bei B mit dem Projekt Y. Dadurch gelangen wir zu den Interessen und zu den Bedürfnissen. Dadurch wird das Projektthema verhandelbar und beide einigen sich auf eine gemeinsame Vorgangsweise: 💡 Projekt B mit Elementen aus A.

📌 Negative Dynamiken auflösen können

In heiklen Kommunikations-Situationen kommt es häufig zu Spannungen. Anstatt in Richtung Lösungsfindung zu arbeiten, verläuft man sich in einem mühsamen „Spiel“ voller Vorwürfe, Anschuldigungen, Entwertungen etc.

Ein Beispiel: In einem Meeting soll ein Projekt ausgewählt werden. A beschuldigt B, nicht ordentlich gearbeitet zu haben. C will B beschützen und verteidigt B, greift A an.

Es entsteht eine Dynamik von drei Rollen:

  1. Der Verfolger fühlt sich überlegen, weiß genau wo es langgeht und tritt mit dieser selbstbewussten Haltung dem „Opfer“ entgegen. Sein Verhalten ist die Einladung an andere, in die Opferrolle zu gehen.
  1. Das Opfer geht auf die Einladung des Verfolgers ein, fühlt sich ungerecht behandelt, herabgesetzt und hilflos gegenüber den Angriffen. Entweder geht man nun trotzig zum Gegenangriff über (und wird damit selbst zum Verfolger) oder man sucht nach einem „Retter“, der aus der unangenehmen Situation heraus hilft.
  2. Der Retter spielt nun mit, indem er beispielsweise dem „Opfer“ gute Ratschläge gibt, was zu tun sei – oft reagiert das Opfer auf diese Bevormundung so, dass es den Retter angreift. „Hab ich alles schon probiert und nützt nichts, Du bist auch keine Hilfe“ etc und damit zum Verfolger wird. Oder der Retter stellt den Verfolger zur Rede – was den Verfolger oft dazu anspornt, das Opfer verstärkt anzugreifen. Und so weiter… Dieses Spiel kann sehr lange dauern. Konkret dauert es so lange, bis einer aus der Rolle aussteigt!

💡 Die Lösung ist der Ausstieg aus der destruktiven Dynamik durch

1. ERKENNEN was in der Situation gerade abläuft.

Am besten gelingt das durch Beobachten und dem Ausdruck von realen Emotionen.
Wie erlebe ich die Situation? Worum geht es mir hier? – diese Fragen sind nützlich und setze ich auch im Coaching ein.

2.VERANTWORTUNG übernehmen – eine vernünftige, handlungsorientierte Lösungsfindung in Gang bringen! Nicht darauf warten, dass der oder die andere das Problem löst…sondern jede/r packt an!

3.GRENZEN setzen: ich setze klare Grenzen und stelle konkrete Forderungen und Fragen!

🖊 Meine Frage an Sie, liebe Leser: „Wo sind Sie aus negativen Dynamiken ausgestiegen, wo sind sie in solche noch verstrickt?“ Schreiben Sie mir gerne an: office@sandrathaler.com
Klar ist: Je früher Sie aus negativen Dynamiken aussteigen, desto besser. Training dazu: Verhaltensmöglichkeiten/Statusveränderungen.

📌 Am Puls der Zeit bleiben – Praxisbeispiele

HOMEOFFICE
Vor Corona bedeutete Homeoffice die Möglichkeit, einzelne Tage von zu Hause aus zu arbeiten. Viele Unternehmen boten das ihren Führungskräften und Mitarbeitern an. Die Betonung liegt hier auf „einzelne Tage“ und vor allem auf Basis der Freiwilligkeit und auf Wunsch durch den Mitarbeiter. Seit Anfang März sind gesamte Teams und Abteilungen über einen längeren Zeitraum dezentral aufgesplittet und jeder einzelne Mitarbeiter soll von zu Hause die eigene Arbeit erledigen. Führungskräfte haben mittlerweile viel Erfahrung damit. „Ich habe meinen Chef mit einem neuen Digitalprodukt überrascht“, erzählt mir eine Coachingkundin aus Wien. Sie hat während des Lockdowns programmiert und designt. Mit dem Digitalprodukt erzielt das Unternehmen mittlerweile fast so viel Umsatz wie mit einem anderen Produkt, dessen Nachfrage durch Covid19 eingebrochenen ist.

UNTERNEHMENSNACHFOLGE
Ein Jungunternehmer, der ein Traditionshaus übernimmt, sieht die Veränderungen so: Wir bauen die Kundenaquise komplett digital auf und wir gewinnen Kunden am digitalen Wege. Wir richten unsere Projektplanung neu aus. Früher waren es zum Beispiel vier Aufträge um 200.000 Euro, jetzt sind es 25 Aufträge um 25.000 Euro. Es ist eine ganz andere Auftragslage als früher und andere Methoden zur Kundengewinnung, natürlich digital. Es gibt viel Angebot am Markt mit Online-Plattformen und vielen Freelancern. Es gilt, einen Mittelweg zu finden, man muss effizient sein und darf sich nicht unter Marktwert verkaufen

Jede Unternehmensidee braucht ihr zeitgemäßes Gefäß

📌 Wie kommen wir gemeinsam  schneller und vor allem reibungsfreier zu neuen Ideen & Lösungen? Die neue Webinarreihe „Kommunikation in Arbeitswelt 4.0“

NEW BOOK: +++Im September erscheint das neue Buch „Erfolgreiche Unternehmensnachfolge“, von Mag. Sandra Thaler.  Mit zahlreichen Methoden zur Konfliktlösung und konstruktiver Kommunikation. Mit Checklisten, Fallbeispielen, Interviews, 117 Seiten. Jetzt vorbestellbar.

Tipp: Weitere interessante Impulse zu Kommunikation in der Krisenzeiten lesen Sie im HR/Cafe von heidlmair kommunikation.

Podcast Interview mit Sandra Thaler für Mag. Doris Schulz, Raus aus der Couch 🎧 

Schreiben Sie mir, kontaktieren Sie uns! Wir freuen uns 
Ihre 
Wirtschaftsmediatorin Mag Sandra Thaler

 

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Mag. Sandra Thaler ist Wirtschaftsmediatorin, Juristin und Business Coach seit 2004

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Konfliktmangement Krisenmanagement

6 Tipps für den Härtetest im Homeoffice

Warum Härtetest im Homeoffice?
Vor Corona bot Homeoffice eine Möglichkeit, einzelne Tage von zu Hause aus zu arbeiten. Innovative Unternehmen ermöglichten das ihren Führungskräften und Mitarbeitern. Die Betonung liegt auf „einzelne Tage“ und vor allem auf Basis der Freiwilligkeit.
Seit März 2020 und somit fünf Wochen sind gesamte Teams und Abteilungen vermutlich noch über einen längeren Zeitraum dezentral aufgesplittet und jeder einzelne Mitarbeiter arbeitet von zu Hause aus, am Esstisch oder neben den Kleinkindern. 
Die Zusammenarbeit wird dabei unterschiedlich wahrgenommen: wenn es nicht gut läuft oder nicht mehr gut läuft, wird Remote-Zusammenarbeit als ermüdend, anstregend und missverständlich beschrieben. Hier besteht Handlungsbedarf, um negative Auswirkungen ua auf den Teamgeist, die Fürsorgepflicht & die Kundenzufriedenheit frühzeitig zu vermeiden.

Was können wir also tun, damit erwartete Ergebnisse annähernd gleichbleiben und die Zusammenarbeit in Ihrem Team weiterhin gut funktioniert?

#1 Zeitmanagement: Verkürzen Sie das Meeting
Die Mitarbeiter empfinden die aktuelle Home-Office-Situation anstrengender, als sie es im üblichen Büroalltag wahrnehmen. 
Der Kontakt mit den Kollegen, der Führungskraft oder auch mit Kunden erfolgt ausschließlich über Video- oder Telefonkonferenz.
Ein virtuelles Meeting folgt dem nächsten.
Der Monitor ist das einzige Fenster nach außen. Nun liegt es am Mitarbeiter selbst, in seinem Kalender Ruhepausen einzuplanen und diese auch mit Priorität wahrzunehmen.
Wer zu Terminen einlädt, muss sich bewusst sein, dass die Aufmerksamkeitsspanne der Teilnehmer kürzer ist als bei einem physischen Meeting.
Überfordern Sie die anderen nicht – zeigen Sie Wertschätzung für Ihre Crew.
Ein Online-Meeting sollte maximal 90 Minuten dauern, idealerweise schafft man – durch strikte Fokussierung und Moderation – eine Dauer von unter 60 Minuten. Um seinen Kollegen die Planung von Pausen zu erleichtern, kann bei der Einladung darauf geachtet werden, dass keine vollen Stunden geplant werden.
Statt einer Stunde werden nur 50 Minuten geplant, bis zum nächsten Termin eröffnen sich somit 10 Minuten Pause.

# 2 Neue Rituale geben Rahmen
Wieviel im Büroalltag abseits der eigentlichen Arbeit an Rahmen vorhanden ist, wird jetzt deutlich. Dazu zählen die gemeinsamen Kaffeepausen mit den Kollegen, wo neben beruflichen Belangen auch private Anekdoten ausgetauscht werden, wo auch viel gelacht wird.
Das gemeinsame Mittagessen in der Kantine oder das zufällige Treffen am Gang, wo diverse Neuigkeiten ausgetauscht werden. All diese sozialen Aspekte tragen wesentlich zum Zusammenhalt und einer positiven Grundstimmung bei.
Was tun, wenn nun all diese Rahmenbedingungen wegfallen?
Am besten ahmt man diese Situationen innerhalb der Möglichkeiten nach. Das bedeutet, dass es gemeinsame, im Kalender geplante, virtuelle Kaffeepausen gibt. Allerdings gilt es dabei Gesprächsdisziplin zu halten, da parallelen Gesprächen innerhalb einer Konferenz nicht gefolgt werden kann.
Das zufällige Treffen am Gang, kann durch ein kurzes Telefonat abgebildet werden. Es reicht dabei vollkommen aus, sich einfach um das Befinden seines Gesprächspartners zu erkundigen.
Brainstorming: befragen Sie Ihre Crew ähnlich wie vorm Betriebsausflug und stimmen Sie darüber ab, was Sie gemeinsam machen wollen. Nicht jeder möchte oder kann ein Remote-Bier trinken, bedenken Sie Familienzeiten etc. Ein Gemeinschaftsgefühl entsteht eben gemeinsam.

#3 Machen Sie Lust auf mehr Technik
Virtuell ist nicht jedermanns Sache. Wie zu Beginn erwähnt, war Homeoffice früher mit Freiwilligkeit verbunden. Für viele Mitarbeiter kam diese Option nie in Frage, da sie das Umfeld der Kollegen, der Führungskraft oder die vorhandene Infrastruktur für ihre Produktivität benötigen.
Weniger technisch affine Personen haben Probleme, die Zusammenarbeit und die Kommunikation plötzlich virtuell umzustellen – und das ohne Übergangsphase oder ausführlichen Einschulungen. Die verordnete Heimarbeit nimmt auf all diese Faktoren von sich aus keine Rücksicht. Es liegt nun an den Kollegen und vor allem an den Führungskräften, auf diese Mitarbeiter verstärkt einzugehen.
Wer ist verantwortlich dafür, dass alle mit den teilweise neuen und unbekannten Tools umgehen können? Es geht um mehr als um die Kenntnis und die Möglichkeit, mit anderen in Kontakt zu treten und Aufgaben gut zu erledigen. Technische Erfolgserlebnisse machen Lust, mehr zu lernen, zu verstehen (informieren Sie zum Beispiel über die Bedeutung der IT-Security) dafür wird es notwendig sein, dass sich Mitarbeiter die notwendige Zeit nehmen, um ihre Kollegen bestmöglich zu unterstützen und einzubinden, um Technik „schmackhaft“ zu machen.
Das zu organisieren, ist Führungssache.

#4 Sorgen Sie vor: Konfliktprävention fürs Team
Eine wesentliche Einschränkung im Covid-Homeoffice ist die fehlende nonverbale Kommunikation. Introvertierte Mitarbeiter neigen dazu, sich in der virtuellen Kommunikation noch weniger einzubringen. Im physischen Aufeinandertreffen erkennt man relativ rasch, ob sein Gegenüber einer Aussage zustimmt oder nicht und kann durch aktives Nachfragen die Meinung einholen.
Um diese wertvollen Meinungen, Einwände und Ideen nicht zu verlieren, brauchen wir aktives Feedback oder Einverständnis zu einzelnen Aussagen. Daher ist das aktive Einbinden der Beteiligten zum Beispiel durch Fragen eine wesentliche Form der Konfliktprävention.
Reflektieren Sie Ihre Kommunikationtools: wie erreichen Sie Ihre Teams? Per Videokonferenz? Per Telefon? Per Mail? Ein Mailtext wird schneller als flapsig bzw. missverständlich erlebt. Investieren Sie in eine vertrauensvolle Gesprächsatmosphäre.

#5 Virtuell und menschlich deeskalieren
Wenn die Nerven blank liegen und Stress die Regie übernimmt, kommt es schnell zu unreflektierten Vorwürfen. „Das läuft nicht optimal“, „das ist falsch organisiert“ kann sich schnell zu einem Konflikt ausweiten. Gehen Sie weder auf Angriff, Tauchstation oder in eine Schuldposition, sondern deeskalieren Sie und bleiben Sie auf Augenhöhe, indem Sie Interesse für die negativen Folgen und Konsequenzen, die jemand gerade erlebt oder zu erleben glaubt, zeigen. Hören Sie auch bei Negativem zu, ohne vorschnell zu bewerten.  Nützen Sie dafür eine Breakout Session und führen Sie ein professionelles Konfliktklärungsgespräch. Wenn Sie sich zuvor darauf vorbereiten möchten, vereinbaren Sie ein Coaching oder je nach Eskalationsstufe eine Mediation.

#6 Pflegen Sie die Feedback-Kultur
Die aktuelle Situation hat Unternehmen und Belegschaft völlig unvorbereitet getroffen. Die Krisenteams hatten die Aufgabe in kürzester Zeit, Maßnahmen, Richtlinien und Arbeitsbedingungen zu schaffen, um keinen Stillstand zu erzeugen. Aus diesem Blickwinkel heraus ist es nur allzu logisch, dass nicht alle getroffenen Entscheidungen die richtigen waren und alle Situationen optimal berücksichtigt wurden.
Tipp: Erheben Sie in kurzen Intervallen immer wieder Schwachstellen und Verbesserungsmöglichkeiten in der virtuellen Zusammenarbeit und zeigen Sie die Erkenntnisse (neue Ideen) dementsprechend auf.
Dies kann durch regelmäßige Feedbackzyklen in den Abteilungen durch die Führungskräfte erfolgen oder durch kurze online-Umfragen im gesamten Unternehmen. Wesentlich ist das Bewusstsein, dass vor allem in dieser Situation Perfektionismus unangebracht ist und Verbesserung ständig und in kleinen Schritten passieren muss – dort wo es die Menschen aktuell benötigen.

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*Danken Sie Personen im Team, die sich besonders engagieren, drücken Sie gegenseitige Wertschätzung aus, beispielsweise durch einfache Dankeskarten 
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‚Vertrauen im Team Google’s Aristoteles Project   

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Mag. Sandra Thaler ist Wirtschaftsmediatorin, Juristin und Business Coach seit 2004.